Vor uns der Wellenbrecher von Colon, die Zufahrt zum Panamakanal. Davor warten einige Frachter auf den Termin für ihre Durchfahrt. Und auch wir wollen unsere Aroha in den nächsten zwei Wochen in der Shelter Bay Marina dafür vorbereiten, gründlich putzen und kleinere Wartungsarbeiten durchführen. Und mit einem anderen Segelboot als Linehandler einmal probeweise den Transit üben. Soviel zum Plan. In der Realität funken wir jenseits des Wellenbrechers die Marina an, um die Nummer unseres Liegeplatzes zu erfragen. Worauf man uns nur mitteilt „kein Platz mehr frei“. Das hatten wir schon befürchtet, denn obwohl ich im Dezember mehrmals einen Platz reserviert habe, kein Problem, es ist genug frei, hat niemals jemand etwas aufgeschrieben. Ich verhandle mit dem Dockmaster und er gewährt uns gnädig eine Woche, dann schmeißen sie uns raus. Dafür müssen wir aber einen Agenten nehmen, er empfiehlt einen Eric, sonst würden wir das nicht schaffen. Da wir keine Wahl haben, müssen wir die Bedingungen akzeptieren.

Wir legen am genannten Platz an, wo uns schon ein österreichisches Empfangskomitee erwartet bestehend aus Annemarie und Helmut von der Anna X und Helga und Rene von der Amigo, unsere Leinen entgegennimmt und uns herzlichst begrüßt. Es ist eine große Freude sie alle wiederzusehen, wenn auch zunächst nur eine kurze, weil die Amigo mit Anna X als Linehandler bereits heute Nachmittag durch den Kanal fährt. Auch sie haben Eric als Agenten und können ihn nur empfehlen, es hat alles schnell und gut geklappt. Wir müssten dann keine Kaution hinterlegen. Wir haben kaum die Begrüßung hinter uns, steht der Dockmaster schon da, drückt mir sein Handy in die Hand, auf dem er Agent Eric schon angewählt hat, und drängt mich, gleich einen Termin auszumachen. Ursprünglich wollten wir keinen offiziellen Agenten nehmen, sind im Nachhinein aber zufrieden damit. Es läuft alles wie am Schnürchen. Keine paar Stunden in der Marina, steht der Agent schon vor der Reling. Er registriert sofort unser Boot online bei der Kanalbehörde und ruft gleich an, um die Prüfung zu beschleunigen. Damit haben wir jetzt für alle Ewigkeiten eine Kanalregistrierungsnummer. Mit dieser Nummer melde ich mich über Funk bei der „Cristobal Signal Station“, um unsere Ankunft mitzuteilen, damit der Vermessungsprozess gestartet werden kann.
Ein weiterer Anruf durch Agent Eric und morgen kommt auch schon der Vermesser zu uns an Bord. Es müssen ein Haufen Formulare über die Ausstattung des Bootes ausgefüllt werden, so muss z.B. für den Adviser, der den Transit begleitet, eine Toilette zur Verfügung stehen. Außerdem gibt es mehrere Arten beim Schleußen: „Centerchamber“, unser Boot alleine mit je 2 Leinen an jeder Seite in der Mitte gehalten, „Nested“, im Päckchen mit 1-2 anderen Booten, „Tugboat“, ein Tugboat wird an der Schleußenwand befestigt und wir legen uns dazu aufs Päckchen, wobei da die Fenderung des anderen Bootes in einer Höhe nach außen geht, dass sie so gegen unsere Reling drücken würde, dass diese sogar abbrechen könnte und „Sidewall“, alleine an einer Wand der Schleuße befestigt, wo das Rigg bei den zu erwartenden Turbulenzen fröhlich an die Wand schlägt. Wir lehnen „Tugboat“ und „Sidewall“ ab.
Dann nimmt er ein ordinäres Maßband, das ich beim Bug halten muss. Da das Maßband nicht lang genug ist, hält er seinen Finger an die Stelle, wo es zu Ende ist. Dort muss ich es wieder ansetzen und jetzt geht es sich bis zum Ende der Windsteueranlage aus. Das nennt man Präzisionsarbeit. Nun wissen wir endlich auf den Millimeter genau wie lang unsere Aroha ist.
Jetzt fehlen noch der Termin und die Linehandler. Michael von der Mirmel möchte gerne mitfahren, hat aber bis Montag früh einen Leihwagen. Daher bitten wir Eric um einen Termin am Montag, den wir auch bekommen. In der kurzen verbleibenden Zeit müssen wir einkaufen, putzen, Wäsche waschen, Wartungsarbeiten verrichten und zwei weitere Linehandler finden, da wir für die Durchfahrt zusätzlich zum Skipper 4 Leinenarbeiter brauchen. Der Hafen ist ziemlich voll, viele Schiffe werden in den nächsten Tagen geschleust, erstaunlich viele Österreicher, Deutsche und Schweizer, die wir auch kennenlernen, darunter Ave Gitana, Sailaway, Nicone und Alchemist.
Zuletzt machen wir ein Tauschgeschäft mit Anna X, Helga und Rene von der Amigo fahren bei uns mit und Eric zwei Tage später bei der Anna X.
Sonntag kochen wir Spagetti Bolognese und Curryhuhn, denn der Adviser und die Crew haben einmal täglich Anspruch auf eine warme Mahlzeit und Wasser aus unangebrochenen Flaschen. Nach dem die Arbeit verrichtet ist, machen wir mit Michael zur Entspannung einen Spaziergang im Regenwald.

Es ist soweit. Alles ist bereit nur Helga und Rene sind noch nicht aus Panama City eingetroffen. Es gibt einen Streik auf der Verbindungsstraße nach Colon. Doch bevor unser Stresslevel in die Höhe steigt, treffen sie ein und wir können uns auf die Flats, den Ankerplatz vor dem Kanal, verlegen, um auf den Adviser zu warten, der für 16 Uhr angekündigt ist. Kaum angekommen teilt man uns mit, dass der Termin um eine Stunde nach hinten verschoben wird. Doch auch der neue Termin vergeht. Erst gegen 18:30 Uhr nähert sich ein Launchboat und versucht offensichtlich unseren Schiffsnamen zu entziffern. Doch nach einer Runde um Aroha dreht es ab und einer ruft zu unserem Entsetzen „mañana“. Darauf melden wir uns sofort bei der „Cristobal Signal Station“, um zu erfahren, dass es nur ein blöder Scherz war. Kurz danach kommt auch schon das Boot, wird gekonnt heran gesteuert und der Adviser springt an Bord. Wir lichten den Anker und nähern uns der Schleußeneinfahrt. Mittlerweile informiert uns der Adviser, dass wir gemeinsam mit einem großen Segelkatamaran im Päckchen geschleust werden. Trotz der bereits eingebrochenen Dunkelheit ist die Gatunschleuße gut zu erkennen, sie ist taghell erleuchtet. Wieder müssen wir warten, weil es beim Frachter der gleichzeitig durchfährt ein Problem gibt. Die Spannung steigt, wir werden immer nervöser. Denn es gehen natürlich zahlreiche Geschichten um, auf wie vielfältige Weise man sein Boot beim Transit beschädigen kann.
Nachdem das Frachterproblem erledigt wurde, bilden wir mit dem Katamaran das Päckchen. Dabei werden die Boote seitwärts mit Festmacherleinen aneinander gebunden. Wie vorgeschrieben haben wir zusätzlich Autoreifen als Bollwerke, der Kat verlässt sich allein auf seine Fender. Ich bin ab jetzt beinahe arbeitslos, da die Steuerung vom größten Boot durchgeführt wird. Ich muss manchmal mit unserem Motor auf Anweisung des Advisers mit Korrekturschüben unterstützen. Während wir in den ersten Schleußenabschnitt einfahren, werden uns die sogenannten Affenfäuste entgegengeworfen, an den wir unsere Leinen befestigen müssen. Damit werden sie an Land gezogen und an der entsprechenden Stelle befestigt. Nach kurzer Zeit ist die erste Hürde genommen und wir liegen schön mittig in der Kammer befestigt. Hinter uns schließen sich die gewaltigen Schleusentore. Kaum geschlossen beginnt das Wasser rasch zu steigen. Jetzt sind die Linehandler gefragt. Sie müssen dafür sorgen, dass das Päckchen immer schön in der Mitte bleibt, was nicht so einfach ist, wie es klingt. Da es starke Verwirbelungen im Wasser gibt, ruckt es heftig in die eine oder andere Leine. Da muss man auf Finger und Hände achten, denn ein Unfall ist schnell passiert. Oben angekommen werden die Leinen gelöst und wir fahren in die nächste Kammer vor, wobei die Schleußenarbeiter die dünnen Leinen mitnehmen. Wir machen wieder fest und das vorherige Prozedere wiederholt sich hier und in der dritten Kammer. Überglücklich, dass wir keinen Schaden genommen haben, verlassen wir die Schleuse, doch bevor wir das Päckchen lösen können, rast ein Tugboat mit voller Geschwindigkeit an uns vorbei. Durch dessen Wellen werden unsere beiden Boote derartige durch geschaukelt, dass sie mehrmals so heftig aneinander gedrückt werden, dass die Fender völlig flach gepresst werden. Erleichtert stellen wir fest, dass es außer ein paar oberflächlichen Kratzern an unserer Bordwand keine weiteren Schäden gibt.
Der Adviser begleitet uns noch bis zur Mooringboje, an der wir im Gatunsee übernachten müssen. Er hat gerade noch Zeit seine Spagetti, die er dem Curryhuhn vorzieht, zu essen, da wird er von seinem Boot bereits abgeholt. Wir essen jetzt gemütlich unser Curryhuhn, bevor wir uns für die sehr kurze Nachtruhe schlafen legen.

Pünktlich um 6 Uhr trifft unser neuer Adviser ein und wir müssen sofort Anker auf gehen, damit wir rechtzeitig den Gatunsee durchquert haben, um zu Mittag bei der Miguel-Schleuse zu sein. Es ist ein sehr beschauliche Fahrt über den See. An vielen Stellen kann man die Erweiterungsarbeiten für das 3. Schleusenset beobachten, die bis zur 100-Jahrfeier 2014 fertiggestellt sein soll. Bei der Schleuse müssen wir schon wieder warten. Danach werden wir diesmal in einem 3er-Päckchen hinunter geschleust. Zwischen der Miguel und der Miraflores-Schleuse steigt unser Unbehagen an, da wir wieder warten müssen aber diesmal zusammengeschnürt und das weckt unangenehme Erinnerungen an den Vortag. Diesmal hat auch der Kat seine Reifen angebracht, die Schnürchen sind aber so mickrig, dass sie sicher kein bisschen Zug aushalten würden. In der Miraflores Schleuße findet dann das übliche Winken an die Familie per Webcam statt. Auch wenn das Bild so klein ist, dass man nur raten kann, wer wer ist. Um 13:28 Uhr öffnen sich die letzten Schleusentore und wir fahren in den Pazifik ein.

Kommentare   

# Im KanalGabi Rau 2011-06-23 22:00
Hi
Das ist ja schon fast eine Ewigkeit her 8)
Falls da gewunken wurde in der Schleuse konnte man das leider nicht sehen, wir sind schon froh, euer Boot erkannt zu haben :-)
(mal sehen, ob das mit dem Bildchen klappt)
weiterhin gute Reise wünschen Gabi und Mike