Am 17.6.2010 fahren wir von Petit St. Vincent, der letzten Insel der Grenadines nach Carriacou, wo wir aber nur Einklarieren und übernachten. Danach geht es direkt weiter nach St. Georges in Grenada. Die Insel liegt nicht auf der üblichen Strecke der Hurrikans, daher suchen hier viele Boote Zuflucht während dieser Zeit. Auch viele Yachtversicherungen, leider nicht unsere, gewähren volle Deckung unterhalb des 11. Breitengrades also im südlichen Teil von Grenada. Dies hielt aber im September 2004 den Wirbelsturm Ivan nicht davon ab, riesige Zerstörungen im Landesinneren, an zahlreichen Schiffen und in sämtlichen Häfen anzurichten. Danach wurde alles neu aufgebaut, weshalb Grenada jetzt einen sehr schmucken Eindruck macht. Leider hat das auch die Versicherungen veranlasst, ihre Klauseln entsprechend anzupassen.

Unglücklicherweise kann ich diesen Anblick zuerst nur von Weitem genießen, denn meine Bandscheiben zwingen mich eine Woche lang ins Bett. Inzwischen vertreibt sich Eric gemeinsam mit Heidi und Bruno die Zeit indem er sich die Spiele der Fußball-WM im Fernseher des Yachtclubs anschaut. Nach meiner Genesung besichtigen wir St. Georges, wo es aber nichts besonderes zu sehen gibt. Dies ist mein erster Ausflug an Land nach der Bettruhe und mein Rücken zwingt uns schnell zum umkehren.
Auf dem Rückweg vor der Hafenstraße, sehen wir einen Seeigel, den jemand auf einen Hydranten direkt in die Sonne gesetzt hat. Wir mögen auch keine Seeigel, aber so einen qualvollen Tod wünschen wir trotzdem niemanden. Wir überlegen, wie wir ihn wieder ins Meer befördern können ohne uns zu verletzen. Eric nimmt 2 Päckchen Taschentücher, um seine Hände vor den giftigen Stacheln zu schützen, dazwischen klemmt er den Seeigel und wirft ihn zurück ins Meer. Nach der Rettung erinnern wir uns daran einem Jugendlicher mit einer notdürftig verbundenen Hand begegnet zu sein, ob dies wohl der Täter war, werden wir nie erfahren.

In St. Georges sollte man gut prüfen, dass der Anker wirklich hält. Der Grund ist ziemlich hart und es gibt Stellen mit viele Felselchen, so dass der Anker sich manchmal nur dahinter verklemmt. Beim ersten Winddreher beginnt dann unfreiwillig die große Fahrt.
Eines Abends wird ein riesiges Fischerboot aus dem Hafen geschleppt und vor dem Strand „verankert“. Dies gefällt uns nicht wirklich, denn wenn der Anker nicht hält, könnten wir ein Problemchen bekommen. Die Nacht verläuft zwar ruhig, aber am nächsten Morgen muss das erste Segelboot dem Monster weichen. Die Infinity ist als nächstes dran und dann verlegen wir uns auch kurz bevor der riesig Kahn unseren Platz einnimmt. Schwein gehabt!

Einige Tage später verlegen wir unseren Ankerplatz in die Prickleybay im Süden der Insel. Dort treffen wir auch Marion und Gerhard von der Blue Lagoon wieder. Wir begleiten sie beim abendlichen Hunde ausführen, damit wir die Bucht ein wenig besser kennen lernen.
Danach gehen wir alle gemeinsam Pizza essen. Heidi und Bruno machen uns schon seit Tagen den Mund wässrig, denn hier soll es echte italienische Pizza aus dem Steinofen mit richtig dünnem Teig geben. Mmhhh, das war nicht übertrieben, es sind wirklich die besten Pizzen der Karibik gewesen!
Trotz relativ geeignetem Wetter drückt es die Wellen in die Bucht hinein, so dass der Ankerplatz sehr schaukelig ist! Wir nutzen daher einen Fußball-WM freien Tag, um nach St. George zurückzukehren.

Da wir vor Panama unser Boot aus dem Wasser holen müssen, um das Antifouling zu erneuern (Antifouling ist eine oder mehrere Farbschichten, die auf jene Teile des Bootes aufgetragen werden, die meistens im Wasser sind, um den Bewuchs von Algen und Muscheln zu verhindern), suchen wir nach der günstigsten Werft. In der Marina bei der Prickleybay haben wir uns bereits nach den Preisen erkundigt und da wurde uns klar dass es nicht billig werden würde. Wir geben aber nicht auf und hoffen, dass die Lage in der Grenada Marina im Süden der Insel besser wäre. Mit Bruno und Heidi machen wir uns auf den Weg dorthin. Da wir nicht wussten, welchen Bus wir nehmen sollen, fragen wir beim ersten der vorbeifahrt. Nach dem uns versichert wurde, dass der Bus da hinfahren würde, wo wir hin wollen steigen wir ein, um über einer Stunde später wieder am Ausgangsort zu sein! Es gab nämlich ein Missverständnis und man hat uns zur falschen Marina gebracht. Der Fahrer ist aber so nett, dass er einen Kollegen verständigt, der uns abholt und endlich an unser Ziel bringt.
Für unsere Zwecke leider vergeblich, weil die Preise, um das Boot aus dem Wasser zu holen, ähnlich wie beiden anderen Werften sind. Es gibt uns aber die Gelegenheit das bergige Landesinnere zu bewundern.
Die große Frage, wo wir das Boot aus dem Wasser holen können, bleibt weiterhin offen. Wir suchen noch im Internet nach Alternativen in Venezuela, Curacao, Kolumbien und Panama. Doch bei den Apothekerpreisen könnte einem schlecht werden. Nur Venezuela ist eine Ausnahm. Wir checken noch im Internet die Sicherheitslage in Venezuela und reden mit vielen anderen Seglern darüber.
Nach reifer Überlegung und unter Betracht, dass wir mit Heidi und Bruno dorthin segeln und den unschlagbaren Preisen, entscheiden wir uns für die Bahia Redonda in Venezuela.

Vor unserer Abreise machen wir noch eine kleine Rundfahrt durch Grenada. Wir besichtigen eine Kakaofabrik, wo wir aber nur die zum Export fertigen Säcke mit den Kakaobohnen sehen. Immerhin erklärt uns ein Mitarbeiter, wie die Kakaobohnen verarbeitet werden und jeder darf eine kosten.
Das „Ziel“ der Rundfahrt ist die älteste Rumfabrik der Inseln. Unsere Führerin zeigt uns die mit Wasser betriebene Mühle, die noch aus dem 19. Jahrhundert stammt, die Gärbecken und die Brennöfen. An diesem Tag wird aber kein Rum erzeugt, sondern nur die Flaschenabfüllung vorgenommen.
Der Alkoholgehalt diese Rums liegt normalerweise weit über 80%, dies wird mit einem Aräometer sichergestellt. Wenn der Wert unter 75% fällt, wird der Rum nochmals zum Brennen zurück geleitet. Für Flugtouristen wird eine Softy Version produziert, da der Transport mit dem Flugzeug ansonsten verboten ist.
Zum Abschluss der Führung dürfen wir den Rum kosten. Neben dem puren weißen Rum wird auch Rumpunsch, der zusätzlich mit Gewürzen versetzt ist, hergestellt. Er ähnelt einem kalten Weihnachtspunsch. Er ist aber mit Vorsicht zu genießen, denn der Turbopunsch schmeckt im Vergleich wie Weihnachtstee. Wir nehmen zwei Flaschen davon mit, so haben wir für die nächsten Wochen einen guten Aperitif.
Zuletzt halten wir an einem kleinen Wasserfall. Hier springen Einheimische gegen Bezahlung vom oberen Ende herunter. Dies interessiert uns weniger und ist uns zu teuer, daher verzichten wir auf dieses Spektakel.

Unsere Zeit in Grenada lauft langsam ab. Dies scheint uns auch das Wetter nahe legen zu wollen. Mit Beginn der Regensaison gibt es immer öfter kräftige Gewitter. Diese ziehen gewöhnlich in einiger Entfernung vorbei, wobei dies extrem beeindruckend ist. Aus sicherer Entfernung lässt sich auch dieses Spektakel genießen.
Bis jetzt haben wir uns wenig Gedanken über Blitzschutz gemacht, da die Wahrscheinlichkeit gering ist, getroffen zu werden. Doch eines Nacht gegen zwei Uhr schrecken wir aus dem Schlaf auf. Ein gewaltiges Gewitter zieht direkt über uns hinweg. Die Zeit zwischen den Blitzen und dem Donner ist bedenklich gering. Vor dem Blitz hört man sogar das Zischen der Luft die extrem schnell aufgeheizt wird.
Uns wird immer unwohler, wir stehen im Cockpit beim Niedergang. Da wird uns ein ordentlicher Schrecken eingejagt. Ein Blitz schlägt so nahe ein, dass wir nur noch weiß sehen und der Donner folgt direkt danach in ohrenbetäubender Lautstärke. Hoffentlich ist auch unserer Elektronik nichts passiert, denn wir sind zwar nicht getroffen worden, aber der Einschlag war so nahe, dass wir nicht sicher sein können, ob alles noch funktioniert. Doch zum Glück ist nichts passiert, zumindest nicht bei uns. Wir sind nur überrascht, dass der Einschlag in einiger Entfernung es geschafft hat unseren Energiecomputer zu initialisieren! Ein riesiger Katamaran in ca. 200 Meter Entfernung ist nicht mehr beleuchtet. Was ist passiert? Diese Frage wird bis Morgen warten müssen.
Am nächsten Morgen stellen wir fest, dass der Katamaran noch schwimmt und es gibt auch keine Gerüchte über gravierende Schäden.
Ende gut, alles gut. Und so verlassen wir gemeinsam mit der Infinity ein paar Tagen später am Abend des 13. Juli Grenada in Richtung Venezuela.