Das schönste an Barbados sind die Strände. Weißer Sand beinahe so fein wie Staubzucker, kristallklares türkises Wasser. Schildkröten etwa 20-30cm groß, die am sandigen Boden schwimmen und den Sand nach Essbarem durchsuchen. Nach einiger Zeit, man müsste schon fast sagen nach einer Ewigkeit, müssen sie auftauchen, um Luft zu holen. Dann kann man sie auch vom Boot aus sehen, ein Stückchen vom Panzer, Kopf und Hals. Meist strecken sie den Kopf mehrmals heraus, sind aber garantiert verschwunden bis man den Fotoapparat gezückt hat. Das zweit schönste ist die tropische Pflanzenwelt. Die Insel ist sehr grün und wir können viele Blumen und Bäume bewundern.

Barbados ist im Gegensatz zu den anderen ostkaribischen Inseln keine Vulkaninsel. Obwohl sie ein gutes Stück östlicher als die anderen Inseln der Karibik liegt, wird sie nur selten als Ziel einer Atlantiküberquerung angefahren. Auch Christoph Kolumbus ist immer vorbeigefahren. Vor den Zeiten genauer Karten und GPS war es wohl auch eher Zufall, dass man die kleine Insel (weniger als 30km breit und 40km lang) gefunden hat. Die Bevölkerung besteht hauptsächlich aus Schwarzafrikanern, deren Vorfahren man zur Sklavenarbeit auf den Zuckerrohrplantagen aus Afrika verschleppt hat. Barbados ist mehr als 300 Jahre von den Briten beherrscht worden und bekam 1966 seine Unabhängigkeit. Der britische Einfluss ist deutlich zu sehen, besonders da sie auf der falschen Seite fahren und das Essen nicht besonders ist. Die Leute sind überhaupt nicht aufdringlich und sehr freundlich. Wenn jemand bettelt und du sagst nein, lässt er dich sofort in Ruhe. Barbados ist auch sehr sicher. Man kann sogar sein Beiboot mit Motor ungesichert abstellen. Auch Taschendiebstahl soll selten sein.

Trotz seiner östlichen Lage und den schönen Stränden würden wir es aber nicht mehr als Ziel einer Atlantiküberquerung nehmen. Es gibt keine gut geschützten Ankerbuchten und auch keine vernünftige Marina. Während unserer ersten Nächte hat es sehr gewackelt und das ist einem guten Schlaf ziemlich abträglich. Und das ist nach drei Wochen gestörter Nachtruhe absolut nicht wünschenswert. Und dann das Essen. Nicht mehr nur selber kochen und Brot backen. In Speightstown gibt es nur ein einziges abends geöffnetes Restaurant und das ist teuer. In Bridgetown gibt es ein paar mehr Lokale zum Abendessen aber auch diese sind von der gehobenen Preisklasse. Nur zum Mittagessen existieren haufenweise Fast-Food-Tempel. Die Supermärkte sind so einigermaßen aber eher wie Hofer, das Fleisch ist nicht empfehlenswert, das Brot ein absolute Katastrophe. So ähnlich wie Mc Donalds-Weckerln, vollkommen geschmacklos, da ist offensichtlich nur Wasser und Mehl drin, nicht einmal Salz. Und du kannst sie mühelos zwischen Daumen und Zeigefinger auf Null zusammendrücken. Einfach grauenhaft. Wir haben sie ein paar Tage liegen gelassen, dann hatten sie zumindest eine annehmbare Konsistenz. Das beste ist der Obst- und Gemüsemarkt. Da gibt es eine ausgesprochen nette Verkäuferin. Wir haben am ersten Tag bei ihr nur Zucchini gekauft und sie hat uns dazu noch Paradeiser und Paprika geschenkt. Danach waren wir gemeinsam mit Lisa und Charly von der Bomika dort und als sie sich nach einer unbekannten Frucht, es war eine Brotfrucht, erkundigten, hat sie genau erklärt, wie man sie zubereitet – wie Bratkartoffeln und so ähnlich schmecken sie auch -, eine geschält und in kleine Stücke geschnitten und sie ihnen geschenkt. Wir haben von Lisa und Charly auch eine Kostprobe bekommen. Aber ich dürfte sie zu lange im Wasser vor gekocht haben, denn sie schmeckten etwas mehliger als normale Bratkartoffeln.

Wie haben wir die Zeit auf Barbados verbracht?
Die ersten Tage lagen wir vor dem Nobelhafen Port St. Charles vor Anker. Freitag haben wir uns diesen und Speightstown angesehen, waren einkaufen und haben verzweifelt versucht, einen vernünftigen Internetzugang zu bekommen, weil der am Ankerplatz gerade mal ausreichte, um in drei Tagen die Mails herunterzuholen. Und sind zeitig schlafen gegangen. Samstag sind Charly und Eric in den Yachtclub gegangen, weil es dort einen Internetzugang geben soll. Währenddessen war ich in Speightstown, um Geld zu holen, da wir noch tanken wollten, bevor wir am Sonntag nach Bridgetown weiter segeln. Als ich nach rasender Fahrt mit dem Sammeltaxi zurückkehrte, stellte sich aber heraus, dass es nur Wochen- oder Monatszugänge gibt, beginnend mit etwa 40 US$. Also haben sie nur ein überteuertes Bier und einen grauenhaften überteuerten Kaffee getrunken, während sie auf mich gewartet haben. Der Kaffee wurde übrigens erst gebracht, nachdem sie die Rechnung verlangt und angegeben hatten, dass dieser nie eingetroffen ist.
Sonntag haben wir dann doch lieber einen Ausschlaf- und Ausruhtag eingelegt, da wir doch noch die Nachwirkungen der Überquerung gespürt haben und der Schlaf ja auch wegen des schaukeligen Ankerplatzes gestört wurde.

Montag segeln wir mit zunehmender Schräglage nach Bridgetown (die Schräglage bezieht sich auf das Boot, nicht auf unseren Alkoholspiegel). Wir ankern in der Carlysle Bucht neben Bridgetown, in der Nähe der Bomikas und Otto von der Eisbär, den wir in Gomera kennengelernt haben. Nachmittags treffen wir einander alle auf der Bomika zum Erlebnisaustausch. Otto ist auch schon ein paar Tage hier und kann uns die wichtigen Orte wie Supermarkt, Markt, Beibootparkplatz und ähnliches mitteilen. Nur das Internet ist mal wieder ein Problem. Am Dienstag suchen wir vergeblich nach einem Internetcafé, aber wenigstens können wir frische Lebensmittel und das berühmte Brot einkaufen. Mittwochs besuchen Charly, Otto und Eric Jens, den TO-Stützpunktleiter, um nach der Post zu schauen und weitere Tipps einzuholen. Außerdem werden wir alle für eine Woche Ehrenmitglieder im Barbados Yacht Club. Dafür muss man nur Mitglied in einem Segelverein sein, wie dem Österreichischen Hochseeyachtclub oder Trans Ocean. Dort gibt es auch einen halbwegs funktionierenden Internetzugang, den wir am nächsten Tag gleich ausprobieren, nachdem wir davor bei Big B waren, laut Jens der Supermarkt für die „Reichen“. Er ist auch ziemlich teuer, daher kaufen wir nur ein, was wir in der Stadt nicht bekommen, Baguette und Fleisch. Leider muss man dorthin eine gute halbe Stunde mit dem Sammeltaxi fahren, also kein tägliches Baguette!

Abends sind Lisa, Charly und Otto bei uns und wir grillen, was jeder beisteuert. Freitag abends essen wir im Yachtclub, da ist Happy Hour und es gibt verbilligtes Essen und zwei Drinks zum Preis von einem. Außer Lisa, Charly und Otto nehmen auch Gudrun und Manfred von der Schiwa teil. Otto hat sie in Gomera kennengelernt, bevor wir dort waren. Es wird ein sehr netter Abend.

Am Sonntag fahren wir mit dem Bus nach Bathsheba. Der Busfahrer fährt als wäre er Fahrer eines Rettungswagens und müsste uns alle mit Blaulicht ins Spital bringen. Im Bus sind einige Frauen, die gerade aus der Kirche kommen dürften, so festlich gekleidet sind sie. Am Busbahnhof hat Charly eine Frau kennengelernt, die uns während der Fahrt die Umgebung erklärt. Am Strand von Bathsheba beobachten wir die Wellensurfer und die Brandung des Atlantiks. Danach spazieren wir an Holzhäusern vorbei, die teilweise richtig putzig aussehen mit kleiner Veranda und einem Fries am Dachrand. Es erinnert ein bisschen an die amerikanischen Südstaaten. Nach einem kleinen Anstieg in der brütenden Mittagshitze erreichen wir einen Blumengarten, den wir nach einem kleinen Imbiss im zugehörigen Café besichtigen.

Einige Tage später fahren wir ins Landesinnere und besuchen einen Tierpark. Hier gibt es unter anderem grüne Affen, die von Siedlern aus Afrika mitgebracht wurden, einheimische Vögel wie die braune Taube und viele Schildkröten. Eine Wasserschildkröte ist in einem Teich gemütlich auf ein Krokodil geklettert, ohne dass das Krokodil auch nur mit der Wimper gezuckt hätte. Entweder sind Schildkröten wegen ihres Panzers zu umständlich zu essen oder die Krokodile werden ausreichend gefüttert. Apropos Futter: am interessantesten ist natürlich die Fütterung der Tiere. Besonders bei den Affen kann man dabei das Sozialverhalten studieren.
Danach durchstreifen wir einen Wald mit Lehrpfad und einer ehemaligen Signalstation, die früher die Ankunft von Schiffen oder den Ausbruch eines Feuers weitergemeldet hat. Von da oben hat man eine gute Sicht auf Barbados.

An einem der letzten Tage auf Barbados trifft Eric beim Schnorcheln auf eine richtig große Wasserschildkröte getroffen. Er ist schon am Rückweg nach einem längeren Schnorcheln, als er unweit vom unserem Boot dieses Prachtexemplar von einer Schildkröte sichtet. Sie ist so lang wie sein Oberkörper und so breit wir seine Schultern. Er schwimmt ihr dann länger nach und taucht immer wieder zu ihr ab. Nach einer Ewigkeit scheint es sie doch zu irritieren, was ihr da wohl folgt. Da entscheidet sie sich prompt doch mal so weit aufzutauchen, dass sie ihren Begleiter aus weniger als einem Meter Entfernung begutachten kann. Ihren Verfolger dürfte sie als ungenießbar und ungefährlich einstufen, denn sie „schlendert“ danach genau so gemächlich weiter wie davor. Nach einer Weile nähert sie sich so weit dem Strand, dass es nur mehr ein bis zwei Meter Tiefgang gibt statt wie bisher fünf bis sechs Meter. Von da an ist es für Eric ein noch größerer Genuss mit ihr dahin zu schwimmen. So langsam beginne ich mir Sorgen zu machen, da er schon so lange weg ist, als er endlich glücklich zurückkommt.

Samstag besichtigen wir das Barbados-Museum. Es gibt einen guten Überblick über das Meer mit seinen Bewohnern und Flora und Fauna an Land. Auch über die Geschichte der Insel von den ersten Einwohnern, den friedlichen Arawaks über die kämpferischen Caribs bis zu den europäischen Siedlern, die Afrikaner als Sklaven für ihre Farmen gekauft haben. Auch das Schul-, das Rechts- und das politische System werden dargestellt. Alles ist sehr liebevoll und aufwendig gestaltet.

Montag segeln wir wie auch die Bomika und die Schiwa zurück nach Speightstown zum Ausklarieren. Doch leider ist das Ausklarieren heute nicht möglich, da der Zöllner streikt. Sie bekamen immer eine Zulage für die Fahrt nach Speightstown und die wäre jetzt abgeschafft worden. Aber vielleicht kommt er ja morgen wieder.
Am Abend verwöhnt uns Lisa mit einer selbst gemachten Abschiedspizza. Denn sie segeln jetzt nach Bequia, das ist weiter im Süden und wir wollen nach Martinique weiter. Aber vielleicht treffen wir einander irgendwo wieder.

Auch am Dienstag ist kein Zöllner da, also dürfen wir wieder zurück nach Bridgetown segeln. Dort marschieren wir dann zum großen Kreuzfahrtschiffshafen. Wir bekommen einen Besucherausweis und erhalten endlich die Ausreisepapiere. Am nächsten Tag stehen wir um fünf Uhr auf, verstauen die letzten Sachen und legen ab.