Am 23. Januar 2010 ist es soweit. Wir haben gut geschlafen und ich habe mich soweit von meiner „Erkältung“ erholt. Wir haben mit der Bomika vereinbart, dass wir um neun Uhr Anker auf gehen.
Kurz vor dem vereinbarten Zeitpunkt sind Aroha und ihre Crew bereit. Das Wetter dürfte soweit passen, wir haben zwar wenig bis gar keinen Wind, aber wir sind in der Abschattung der Insel und draußen soll es laut Prognose anders ausschauen. Und so kommt der Befehl „Anker auf!“ sogar fünf Minuten früher als geplant. Ankermanöver sind mittlerweile reine Routinesache und so beschäftigen sich unsere Geister eher mit Fragen wie, haben wir wirklich nichts übersehen oder wie wird es sein, drei Wochen auf See zu verbringen.

05.01.2010: Am Morgen nach der Ankunft auf Sal wachen wir um einiges ausgeruhter auf als die Tage davor. Ganz haben wir den in den letzten Tagen versäumten Schlaf noch nicht aufgeholt, aber wir sind zumindest keine Zombies mehr.
Nach einem gemütlichen Frühstück bei Sonnenschein aber starkem Wind im Cockpit beginnt das große Auf- und Umräumen all dessen, das in der letzten Zeit vernachlässigt wurde. Außerdem muss ich auch noch eine zweisprachige (portugiesisch + englisch) Crewliste schreiben, weil Eric meint, dass ich die schönere Handschrift habe – wenn er sich vor solcher Arbeit drücken kann, geizt er nicht mit Komplimenten. Sowie Pässe und Bootspapiere müssen vorbereitet werden. Alles wasserdicht verpackt. Gegen 11 Uhr kommt Charly in einem Wassertaxi vorbei und holt Eric ab, um gemeinsam zum Einklarieren zu gehen. Die Wassertaxis fahren immer mal wieder zwischen den ankernden Schiffen durch und ihre Fahrer fragen nach, ob sie etwas besorgen können oder ob wir an Land gebracht werden wollen. Währenddessen schreibe ich den ersten Teil des Gomeraartikels.

Die Cap Verden sind wie schon die Kanaren vulkanischen Ursprungs. Der Großteil der Bevölkerung ist aus Afrika eingewandert. Die Inseln sind sehr arm und leben hauptsächlich von der Unterstützung durch andere Länder. Erst in letzter Zeit beginnt der Tourismus die Inseln als Reiseziel zu entdecken. Cap Verden waren eine portugiesische Kolonie, seit 1975 sind sie als Republik Cap Verden unabhängig. Gesprochen wird portugiesisch oder kreolisch, ein mit afrikanischem gemischtes portugiesisch.

Dienstag, der 29.12.2009: Der Tag des Aufbruchs beginnt schlecht: 7 Uhr aufstehen! Da könnt Ihr nur lachen! Es muss noch jede Menge erledigt werden. Obst, Gemüse und Fleisch einkaufen, das Deck mit Süßwasser putzen, Wassertanks füllen, alles unter Deck so verstauen, dass nichts herunterfallen kann, die 30l im Dieselkanister in den Tank umfüllen und den Kanister wieder nachfüllen. Das klingt alles nicht so aufwendig, aber für das Einkaufen habe ich gut eineinhalb Stunden gebraucht und für das Deck putzen ebenfalls. Eric macht inzwischen die Verkabelung vom Funk fertig, dann marschiert er mit dem Kanister zur Tankstelle. Ich bin gerade beim Wasser tanken, als Helga mit Molke, Käse und Essig zum Verabschieden kommt. Wir werden sie sehr vermissen. Auch Andy und seine Frau Andrea schauen vorbei und bringen Orangen und Avocados aus ihrem Garten bin.

18.11.2009: Die Zeit vergeht wie im Flug. Tagsüber sind wir größtenteils mit Arbeiten am Boot beschäftigt. Eric bastelt und ich darf halten, Werkzeug suchen und fünfmal täglich in die Ferreterias (Eisenwarenladen) laufen, weil irgendetwas fehlt. Leider bekommt man nicht alles in einer Ferreteria, so muss ich den halben Ort ablaufen, bis ich das gewünschte gefunden habe oder auf den anderen Booten oder bei Andy schnorren gehen, weil das Zeugs in Gomera nicht zu kriegen ist. Glücklicherweise ist der Ort nicht sehr groß!

19.10.2009: Hier im Hafen von La Gomera gefällt es uns sehr gut. Er ist sehr klein und daher sehr familiär. Und natürlich kommen hier sehr viele Leute her, die auch um die Welt segeln wollen oder zumindest über den Atlantik und so hat man sehr vieles gemeinsam und kann viele Erfahrungen austauschen. Außerdem wohnt Helga, eine gute Freundin von uns, im Norden der Insel in Hermigua. Sie ist vor 15 Jahren nach Gomera gezogen, nachdem sie die Jazzspelunke in Wien verkauft hat und lebt hier mit ihrem Freund Pascual. Kurz nach unserer Ankunft rufen wir Helga an und sie setzt sich sofort ins Auto und kommt mit einem befreundeten Ehepaar, Christl und Günter aus Wien, die für 2 Wochen bei ihr zu Besuch sind, zu uns aufs Boot. Es gibt viel zu erzählen und am Abend gehen sie mit uns ins „La Tasca“, einem der besten Lokale von San Sebastian, essen. Das Restaurant wird von Eloy, dem Bruder Pascuals, geführt. Es ist einerseits für seine kanarische Küche aber auch für seine Pizzen berühmt. Eric und ich essen eine sehr gute Paella.
Auch der hiesige TO-Stützpunktleiter Andy ist sehr um seine Mitglieder bemüht. Während wir am Nachmittag mit Helga und Freunden im Cockpit plaudern, spricht er uns an und stellt sich vor, weil er den TO-Stander unter unserer Saling flattern sah. Wenn wir etwas brauchen, können wir ihn jederzeit fragen. Er arbeitet in einer Werkstatt im Hafen und macht Reparaturen für Boote, „Andy´s Yachtservice“. Außerdem sitzt er jeden Abend im Lokal vis à vis vom Hafen bei einem Bier und hält gewissermaßen Sprechstunde. Und um auch die Bekanntschaft unter seinen Mitgliedern zu fördern, organisiert er gleich für den übernächsten Abend eine TO-Runde in seinem Stammlokal.